[Rezension] Dienstag: Homobar von Katrin Frank


© Coverrecht: Pegasus
Informationen zum Buch (Taschenbuch)
Erscheinungsdatum: 21.10.2006
Verlag: Pegasus
ISBN: 978-3-930873-24-1
Preis: 9,99€
Seiten: 218
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Erster Satz: „Und, Dienstag Molfe?“ Katos Stimme riss mich aus meinen Träumereien. 

Inhalt:
„Dienstag: Homobar“ von Katrin Frank erzählt die Geschichte von Robin und deren bester Freundin Kato. Beide leben ihr Leben, wie sie es seit Langem tun, organisieren Postpunk-Partys zusammen und treffen sich jeden Dienstagabend in der Molfe, um zusammen mit anderen Lesben und Queers einen entspannten Abend zu verbringen. Das polnische Bier sorgt nicht selten für einen derben Kater am nächsten Morgen. Vermutlich hätte sich ihr Leben nur wenig verändert, wäre da nicht Karina, in die sich Robin vom ersten Augenblick an verliebt. Es wird immer deutlicher, dass die Freundschaft zwischen Kato und Robin die eher als Abhängigkeit bezeichnet werden kann, zu zerbrechen beginnt. Dass Karina die Ex von Kato ist, spielt dabei die größte Rolle. Erst zu diesem Zeitpunkt wird Robin klar, welchen Einfluss Kato auf ihr Leben hat und dass ihre Freundin schon immer das Sagen hatte. Nur ist es nicht so leicht sich aus einer solchen emotionalen Abhängigkeit zu befreien und so schwankt Robin zwischen Kato und Karina, wie eine Feder im Wind.


Meine Meinung: 
Das Buch „Dienstag: Homobar“ spielt in meiner Heimatstadt Berlin, weswegen ich es besonders interessant finde. Vollkommen neu ist jedoch die Thematik der Lesben- und Queerszene. Ich war gespannt was sich alles in Berlin abspielt, was ich so jedoch noch nie mitbekommen habe. Und tatsächlich konnte ich in eine für mich völlig neue Welt eintauchen die mich überrascht und fasziniert hat.

Ich als „Neuling“ hatte das Gefühl, mitten in die Lesben- und Queerszene geworfen zu werden. Direkt und schonungslos. Ich war einerseits etwas überfordert und überrumpelt, andererseits neugierig auf mehr! Genau diese Neugier war es, die mich zu Beginn weiterlesen ließ. Ich hatte direkt das Gefühl mittendrin zu sein. Die Schilderungen waren lebendig und mitreißend. Besonders interessant ist, dass Katrin Frank uns keine schöne und heile Welt zeigt. Ziemlich schnell erkennt der Leser, dass es neben all der Party und Freundschaft auch um tiefgreifende Themen geht. Berlin an sich stellt für Robin eines der größten Probleme dar und nicht selten fragt sie sich, ob es in einer Stadt, in der Anonymität und Unfreundlichkeit den Alltag beherrschen, möglich ist Liebe und Geborgenheit zu finden.

Genau das ist es nämlich, was Robin am meisten vermisst und so hängt sie stark an Kato, die ihr am ehesten ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit geben kann, zumindest, wenn sie es Dienstagnacht in der Molfe mal wieder etwas zu bunt getrieben hat. Als Robin Karina begegnet, denkt sie nur noch an sie. Könnte es Karina sein, nach der Robin so lange gesucht hat? Nicht wenn es nach Kato geht, die Ex von Karina. Was wie eine klassische Dreiecksbeziehung beginnt, entwickelt sich zu viel mehr: Abhängigkeiten, Angst und vor allem die Suche nach sich selbst treten in den Mittelpunkt und machen das Buch zu etwas Besonderem.

Kato ist ein sehr interessanter Charakter. Stark, extrovertiert und unnahbar wirkt sie auf den Leser und nur ganz kurz kann der Leser einen Blick auf eine verletzliche Kato werfen. Ich hätte wirklich gern gewusst, was alles hinter ihrer sorgfältig aufgebauten Fassade steckt. Ansonsten hat mich das Buch wirklich begeistert, vor allem weil ich das Gefühl hatte, einen realistischen, echten und unverfälschten Einblick zu bekommen. Wer abseits der Bestsellerlisten nach neuen Themen sucht und einen ungeschönten Einblick in die Lesben- und Queerszene bekommen will, macht mit diesem Buch alles richtig.


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