[Rezension] Verblendung von Stieg Larsson


© Coverrecht: Heyne
Informationen zum Buch (Paperback)
Erscheinungsdatum: 02.05.2007
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-50377-9
Preis: 9,99€
Seiten: 704
Originaltitel: Man Som Hatar Kvinnor (Millennium 1)
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Erster Satz: Es wiederholt sich alljährlich.

Inhalt:
Seit Harriet Vanger, die Nichte von Henrik Vanger, vor vielen Jahren verschwunden ist, wird über dieses Thema in der Familie geschwiegen. Die meisten halten sie für tot, aber Henrik trägt seit Jahren einen kleinen Funken Hoffnung in sich. Jedes Jahr erhält er per Post eine eingerahmte und getrocknete Blume zum Geburtstag, genau wie damals, als Harriet noch bei ihm im Haus gelebt hat. Er beauftragt den Journalisten Mikael Blomkvist herauszufinden, was damals wirklich geschehen ist. Als Recherche für eine Biographie getarnt, beginnt Mikael Nachforschungen anzustellen und Interviews durchzuführen. Durch Zufall trifft er auf Lisbeth Salander, welche ihn bei den Recherchen zu unterstützen beginnt. Dass Lisbeth äußerlich wie ein dem Punk verfallener Teenager wirkt und dazu noch schweigsam und verschlossen zu sein scheint, wecken das Interesse von Mikael, welcher daraufhin versucht mehr über diese außergewöhnliche Frau zu erfahren. Die Suche nach der Lösung im Fall Harriet wird sie näher zusammenbringen als gedacht…


Meine Meinung: 
„Verblendung“ ist der erste Band der Millennium Trilogie vom Autor Stieg Larsson. Die Bücher sind seit dem Erscheinen des ersten Teils in aller Munde. Eine Lobpreisung übertrifft die nächste und ich hatte schon lange vor die Bücher zu lesen. Nun habe ich endlich die erforderliche Zeit und Ruhe dazu gefunden und ich kann mich den vielen positiven Stimmen nur anschließen. Vornweg sollte noch erwähnt werden, dass ich, während ich diese Rezension schreibe, bereits Teil drei beendet habe. Der erste Teil ist definitiv der beste, wobei auch die Folgebände meinen Geschmack getroffen haben.

Beginnen möchte ich mit den Protagonisten, da diese das Herz und auch die Seele des Buches darstellen und es zu dem machen, was es ist. Stieg Larsson hat sich bei der Erstellung der Charaktere nicht an den so häufig verwendeten 08/15 Kriterien bedient. Er hat Charaktere geschaffen, die es so noch nicht gibt und hat dabei nicht allein die Stärken in den Vordergrund gestellt. Häufig sind es die Schwächen, die die Charaktere so lebendig und real erscheinen lassen. Keiner der Charaktere ist perfekt und makellos, was auch absolut nicht zu diesem Buch passen würde.

Meine persönliche Heldin ist Lisbeth Salander. Sie ist definitiv anders als alle anderen Protagonisten, denen ich bisher in Büchern begegnet bin. Sie steht unter staatlicher Betreuung und weist keinerlei soziale Kompetenz auf. Schnell wird jedoch klar, dass Lisbeth nicht die ist, für die der Staat sie hält. Im Verlauf der Zusammenarbeit erfährt Mikael immer mehr über Lisbeth, was sie zu einer äußerst interessanten Persönlichkeit werden lässt. Auch Mikael hat seine Ecken und Kanten. Frauen scheinen sich von ihm sehr angezogen zu fühlen, auch wenn ich nicht nachvollziehen kann wieso. Sein Aussehen wird an keiner Stelle exakt beschrieben oder in den Vordergrund gestellt, was ich sehr mochte. Wer will schon zum zwanzigsten Mal lesen wie wahnsinnig blau seine Augen sind? Unglaublich viele Nebencharaktere reichern das Buch an. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase konnte ich die Personen problemlos auseinanderhalten, da alle gut ausgearbeitet und charakterstark waren.

Mit insgesamt gut 700 Seiten ist dies kein Buch, welches einfach mal so in einer Nacht durchgelesen werden kann. Auch wenn der Schreibstil durchweg flüssig und wirklich gut zu lesen ist, hat man das Gefühl, als hätte der Autor noch nie etwas von einem Spannungsbogen gehört. Genau das ist es jedoch, was mir an den Büchern so gefällt. Stieg Larsson scheint sich nicht um gängige Methoden gekümmert zu haben. Er hat einen ganz eigenen Stil, der mir sehr zusagt. Das Buch fällt nicht gleich mit der Tür ins Haus. Larsson lässt sich beim Erzählen Zeit und widmet sich dabei auch den nebensächlichen Dingen. Für mich gewinnt die Handlung dadurch an Glaubwürdigkeit, denn im echten Leben geschieht auch nicht alles Schlag auf Schlag in zwei Tagen. Beim Lesen erfährt man so viel mehr über die Protagonisten, wodurch sie mir persönlich sehr ans Herz gewachsen sind. Die Spannung baut sich langsam auf und der Lese braucht etwas Geduld, bis die Handlung richtig Fahrt aufnimmt.

Auch inhaltlich hat das Buch einiges zu bieten. Es geht um viele unterschiedliche Themen wie beispielsweise Pressefreiheit, Wirtschaft und Moral, aber auch um den Umgang mit Trauer, Schuld und Betrug. Die Tiefe der Handlung ist ein weiterer Grund wieso sich das Buch auch mit steigender Spannung nicht zu einem Pageturner verwandelt. Zwischendrin sinkt die Spannung immer wieder ein wenig ab und der Autor widmet sich anderen Themen. Wirklich langweilig wird es dabei jedoch nie.

Da die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird, erhält der Leser einen sehr guten Überblick über die ganze Geschichte. Für mich ist dieses Buch eines der besten der heutigen Zeit.




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