[Rezension] Der Circle von Dave Eggers


© Coverrecht: Kiepenheuer & Witsch
Informationen zum Buch (Hardcover)
Erscheinungsdatum: 14.08.2014
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-04675-5
Preis: 22,99€
Seiten: 560
Leseprobe: Hier

Erster Satz: WAHNSINN, DACHTE MAE.

Inhalt:
Mae Holland ist mit ihrem aktuellen Verwaltungsjob mehr als unzufrieden. Durch die Hilfe einer ehemaligen Kommilitonin und Mitbewohnerin bekommt sie die Chance beim begehrtesten Arbeitgeber dieser Zeit zu arbeiten: der Circle. Dies ist ein Internetkonzern, der alle großen Dienste, wie Google, Twitter, Apple und Facebook geschluckt hat und auf die vollkommene Transparenz aller hinarbeitet. Die „Drei Weisen“ die den Circle gegründet haben, wollen die Welt zu einem besseren Ort machen und die Kriminalität und den Schmutz im Internet komplett bekämpfen. Mae ist begeistert vom Circle. Alles ist modern: Kostenlose Konzerte, Sterneköche und jeden Abend finden Partys auf dem Campus statt. Mae steigt schnell auf und wird zu einer beliebten Vorzeigemitarbeiterin, die den Wahn der Transparenz immer weiter voran treibt.


Meine Meinung: 
Dieses Buch wurde mir wärmstens empfohlen und war eine Zeit lang auch in aller Munde. Meine Erwartungen an das Buch waren also riesig. Sowohl die Familie als auch die Tageszeitungen lobten das Buch als den Reload von Huxleys „Schöne neue Welt“. Und was soll ich sagen… auch mich hat das Buch vollkommen in seinen Bann gezogen! Bereits auf Seite 1 war ich bereits begeistert und mit jeder weiteren Seite wuchsen mein Misstrauen und meine Bedenken.

Zunächst einmal etwas zur Protagonistin Mae Holland. Am Anfang ist mir diese sehr sympathisch und ich kann sie verstehen und nachvollziehen. Mit jeder Seite wirkt die Gehirnwäsche des Circles mehr bei Mae, bis man sie am Ende überhaupt nicht wiedererkannt. Die Protagonistin Mae wird von Seite zu Seite unsympathischer und unnahbarer, was eigentlich ein Wiederspruch zu dem Schritt ist, dem Mae im letzten Buchdrittel geht. Ihre Freundin Annie scheint die Entwicklung genau andersherum zu durchleben. Erst am Ende scheint sie alles klarer zu sehen. Ein Großteil der anderen Charaktere bleiben sehr blass, was mich in diesem Fall aber nicht gestört hat.

Zu Beginn war ich wirklich beeindruckt, als der Circle und der Campus als Arbeitgeber geschildert wurde. Ein wirklicher Traum… zu Beginn zumindest. Aber schon auf den ersten Seiten hatte ich das Gefühl, dass das nicht mit rechten Dingen zugeht. Was muss es kosten, wenn eine Firma sich einen solchen Luxus dauerhaft leisten kann? Was wird im Gegenzug alles von den Mitarbeitern verlangt? Und genau das ist es auch, was bei mir das erste Mal zu Zweifeln geführt hat. Dave Eggers schafft es wie kein zweiter, die vielleicht nicht mehr so weit entfernte Zukunft ins Hier und Jetzt zu rücken. Und diese Zukunft wird von Seite zu Seite gefährlicher.

Das Problem ist, dass vieles was der Autor schildert nicht mehr so weit entfernt zu sein scheint. Sämtliche Vorteile einer transparenten Welt werden durch die Nachteile wieder wett gemacht und am Ende möchte man Mae einfach nur schnappen, schütteln und anschreien. Auf die Spitze getrieben wird die Situation dadurch, dass auch Familienmitglieder und Bekannte von Mae mit in die Fänge des Circles gezogen werden, was drastische und wie ich finde schockierende Folgen hat.

Auch wenn der Schreibstil oder vielleicht auch eher der Inhalt anspruchvoll ist, lässt sich das Buch sehr gut und flüssig lesen. Für mich war es beinahe eine Sucht… ich konnte kaum glauben was geschieht und musste einfach immer weiter lesen.
Vernetzung und Transparenz sind Themen, die in Zukunft eine immer größere Rolle spielen und etwas Angst machen können, wenn man an den O-Ton dieses Buches denkt. Auf jeden Fall ein Thema, welches beachtet werden sollte!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen