[Rezension] Isch geh Schulhof von Philipp Möller


© Coverrecht: Bastei Lübbe
Informationen zum Buch (Taschenbuch)
Erscheinungsdatum: 21.09.2012
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-404-60696-2
Preis: 8,99€ 
Seiten: 366
Leseprobe: Hier

Erster Satz: Der öffentliche Nahverkehr in Berlin ist immer eine Reise wert.

Inhalt:
Philipp Möller hat eigentlich Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung studiert, landet durch einen Zufall im Jahr 2009 jedoch als Lehrkraft an einer Grundschule in einem Berliner Problembezirk. Die folgenden zwei Jahre arbeitet er als Hilfskraft bzw. Quereinsteiger ohne jegliche Vorkenntnisse an dieser Schule und unterrichtet die Kinder in unterschiedlichsten Fächern. Vor allem ist er jedoch Sozialpädagoge für die Kinder, die es zu Hause nicht immer einfach haben. In seinem Buch schildert er sowohl lustige, als auch traurige Szenen aus dem ganz normalen Schulalltag. Er selbst tanzt dabei auf einem Seil zwischen Hochgefühl, tiefer Traurigkeit und Wut. Philipp Möller zeigt auf, wie es um unser Bildungssystem bestellt ist und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund.


Meine Meinung:
Durch Zufall habe ich mit einer Kollegin auf Arbeit über die Zustände an deutschen Schulen diskutiert. Kein Wunder, dass wir auch ziemlich schnell auf Aushilfslehrer bzw. Quereinsteiger zu sprechen kamen. Durch sie wurde ich auf dieses Buch aufmerksam und ich war gespannt, was der Autor alles zu berichten hatte. 

Zunächst möchte ich kurz den Verlauf meiner eigenen Gefühle beim Lesen dieses Buches wiedergeben. Zu Beginn habe ich mich sehr gut amüsiert und musste immer wieder über das geschriebene Lachen. Etwa ab Seite 70 war ich jedoch sehr betroffen und traurig und konnte kaum glauben, was die Kinder alles über ihr Familienleben preisgaben. Später folgte dann Entsetzen über das deutsche Bildungssystem. Zwischen all das schlich sich zwar immer wieder ein Schmunzeln oder auch ein Lachen, aber im Großen und Ganzen ist der Inhalt des Buches erschreckend. 

Ich muss zugeben, dass ich begeistert bin, wie Philipp Möller dieses Buch geschrieben hat. Zum einen lässt sich das Buch flüssig weg lesen. Zum anderen hat das ganze Buch einen ganz speziellen Charme, da die Konversationen genauso geschrieben sind, wie sie gesprochen wurden. Aus diesem Grund kommen Sätze zustande wie: „Isch geh Schulhof“. Zu Beginn war es etwas anstrengend, doch schnell konnte ich mich dran gewöhnen. Weiterhin kann man durch diese Eigenart des Buches auch viel besser in die Situation rein finden, fast so als wäre man ein stiller Beobachter. Weiterhin fand ich es toll, wie ehrlich Philipp Möller mit seinen Gefühlen, Gedanken und Handlungen umgeht wie er dies alles auf Papier gebracht hat. 

Was mir am Ende noch gefehlt hat war die Konsequenz, die wir alle aus diesem Buch und aus den Erfahrungen ziehen sollten. Für den Autoren findet all das ein Ende aber was passiert nun? Es geht alles weiter wie bisher? In diesem Buch wird viel kritisiert, aber nur wenige Verbesserungsvorschläge gemacht. Wenn es nicht so traurig wäre, wär dieses Buch eine lustige Lektüre für zwischendurch. Durch die Brisanz des Themas sollte das Buch jedoch jeden nachdenklich zurück lassen.

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