[Rezension] Das Volk der Ewigkeit kennt keine Angst von Shani Boianjiu


Informationen zum Buch (Hardcover)
Erscheinungsdatum: 10.09.2013
ISBN: 978-3-462-04558-1
Preis: 19,99 
Seiten: 336
Originaltitel: The People of Forever Are not Afraid
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Erster Satz: Im Klassenzimmer-Container liegt Staub. 

Inhalt:
Drei Mädchen, die eigentlich noch Kinder sind, aber von heute auf morgen erwachsen werden müssen. Drei Geschichten, die sich ähneln und doch ganz verschieden sind. Drei Arten mit dem Leben umzugehen.
Das ist die Geschichte von Lea, Avishag und Yael. Aufgewachsen in einem kleinem israelischen Dorf. Die Grenze zum Libanon ist ganz nah und ihr Leben wird von Langeweile und Krieg beherrscht. Nichts währt ewig, dass müssen die Mädchen schon früh erfahren. Um sich nicht zu langweilen, vertreiben sich die drei die Zeit mit heimlichen Beziehungen oder Affären und mit Spielen, die nicht immer kindgerecht sind. Als ihre Kindheit von jetzt auf gleich vorbei ist, müssen sie erwachsen werden, denn sie werden vom Militär eingezogen. Doch wie soll man in einer Umgebung, die von Tod, Sex und Waffen beherrscht wird erwachsen werden? Drei Mädchen, drei Methoden, drei Leben! 
 

Meine Meinung: 
Wenn man dieses Buch gelesen hat, muss man erst mal durchatmen. So ging es zumindest mir. "Das Volk der Ewigkeit kennt keine Angst" von Shani Boianjiu ist wirklich schwere Kost. Ein Buch über das Erwachsenwerden unter Bedingungen, die weder einfach, noch alltäglich sind. Der Schreibstil ist anspruchsvoll, der Inhalt schlägt auf den Magen. Und doch ist das Buch eindrucksvoll, ein eindrucksvoller Aufruf gegen den Krieg! Ein sehr starker Debutroman von einer noch sehr jungen Autorin.

Shani Boianjiu wurde in Jerusalem im Jahre 1987 geboren. Aufgewachsen ist sie jedoch in einem kleinen Ort, nahe des Libanons, zwischen Bomben und Soldaten, wie sie selbst  in einem Interview berichtet. Im Alter von 18 Jahren wird sie zum zwei Jahre andauernden Militärdienst eingezogen. Genau dort beginnt sie auch mit dem Schreiben. Schonungslos erzählt sie vom Schulunterricht, von der Langeweile sowie von Partys und Sex, um sich die Zeit zu vertreiben. Und dann natürlich auch vom Militärdienst. Das Buch ist zwar reine Fiktion, wie sie selbst sagt, trotz allem hat sie die Lebensumstände selbst kennen gelernt und beim Lesen kommt die Frage auf, was von all dem die Autorin selbst erlebt hat?

Im Wechsel erzählen die drei Protagonistinnen in der Ich-Perspektive, was sehr verwirrend war. Ich konnte die drei nur schwer unterscheiden, fand zu Beginn nur wenig Unterschiede und durch die Perspektive wurden auch nur selten Namen genannt. Für mich war dies das größte Problem beim Lesen. Lea, Avishag und Yael ähneln sich so sehr und erst in der Militärzeit konnte ich sie anhand der Tätigkeiten einigermaßen unterscheiden. Doch auch hier gab es immer wieder kurze Abschnitte aus der Sicht anderer Personen, die irgendwie mit den drei Mädchen zu tun hatten. Ich musste immer wieder neu einordnen, in welcher Geschichte ich mich gerade befinde.

Teile der Schilderungen erinnern an eine Autobiographie, andere wirken sehr lebendig. Auch die Sprache wirkt in vielen Teilen sehr steif, in anderen wieder sehr bildhaft. Das Buch kommt mit wenigen Emotionen aus, doch trotz allem findet man zwischen den Zeilen immer wieder einige Gefühle. Durch diese Gleichgültigkeit, wird der Leser zwar mit gezogen, bleibt aber stets außen vor in der Perspektive des Beobachters. 

Und doch passt die Sprache zum Inhalt des Buches. Sie verdeutlicht die Situation der Mädchen, die den Sinn in ihrer Aufgabe suchen und nicht finden, die immer mehr abstumpfen. Sie warten auf den Krieg, sind vorbereitet und haben trotzdem Angst davor. Wie soll ein solches Leben, eine solche Tristes, eine solche Sinnlosigkeit anders beschrieben werden, als mit monotoner und teils oberflächlicher Sprache? Interessant ist, dass die Sprache viel lebendiger und farbenfroher wird, wenn die Mädchen sich in ihren Phantasien verlieren und in ein anderes Leben flüchten.

Das Buch ist schwer zu lesen, da es unter anderem sehr mosaikartig aufgebaut ist. Trotz allem geht es um ein Thema, welches so noch nie beschrieben wurde. Mit etwas Mühe kann man sich in das Buch einfinden, den Anschluss finden und zwischen den Zeilen interessante Details entdecken. Ein Buch, das ich allen Interessierten empfehlen kann. Ihr braucht nur etwas Geduld und Aufmerksamkeit beim Lesen!

Ich möchte mich noch einmal ganz herzlich bei Kiepenheuer und Witsch (KiWi Verlag) bedanken, die mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben! Ich habe mich sehr darüber gefreut! Vielen Dank!

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