[Rezension] Mädchen ohne Gesicht. Das Augenlicht hat man mir genommen, aber nicht den Mut zum Leben von Naziran und Célia Mercier


Informationen zum Buch (Paperback)
Erscheinungsdatum: 01.09.2012
Verlag: Rowohlt Taschenbuch
ISBN: 978-3-499-62950-1
Preis: 8,99 
Seiten: 288
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Erster Satz: 
Islamabad, Pakistan.

Inhalt:  
Naziran ist noch nicht geboren, als ihre Mutter, die seit dem dritten Lebensjahr taubstumm ist, von ihrer Schwiegermutter erneut verheiratet wird. Sie ist nun die zweite Frau eines Mannes, der sie beinahe täglich tyrannisieren und schlagen wird. Naziran wächst in sehr einfachen Verhältnissen auf, oft leidet ihre Familie unter Armut. Nach und nach werden ihre Geschwister zwangsverheiratet. Mit dreizehn Jahren ist auch Naziran an der Reihe. Nach der Heirat zieht sie zur Familie ihres Mannes und muss dort Tag für Tag schwerste Arbeit verrichten und sich von der Familie beschimpfen und beleidigen lassen. Auch die Liebe ihres Mannes muss sie sich erst noch erkämpfen. Naziran muss noch viele weitere Schicksalsschläge hinnehmen. Im Alter von 20 Jahren wird sie mit Säure übergossen. Sie überlebt den Anschlag nur knapp, ist jedoch gebrochen. Erst langsam findet sie den Mut und den Willen zum Leben wieder. Der Kampf einer Frau, die nie aufgibt! 


Meine Meinung: 
Erschreckend und erschütternd sind die Worte, die während des Lesens immer wieder in meinem Kopf auftauchen. Im Jahr 2013 wurden in den Monaten Januar bis September durchschnittlich 5,5 Personen Opfer eines Säureattentats. Die Gründe dafür sind vielfältig: Konflikte in der Familie oder in der Ehe und Armut sind die häufigsten Gründe für ein solches Verbrechen. Zum Glück sank die Zahl in den letzten Jahren stark. In den Jahren 2002 und 2003 lag die Zahl bei über 400 Opfern pro Jahr. Ein Großteil der Opfer ist noch nicht mal 18 Jahre alt (Daten stammen von der Website der Acid Survivors Foundation, 2013). Die Dunkelziffer ist unbekannt. Naziran ist eines der Opfer. Mit nur 20 Jahren wurde sie von ihrem eigenen Ehemann mit Säure übergossen.

Im Buch „Mädchen ohne Gesicht“ schildert Naziran eindrucksvoll ihr bisheriges Leben. Vom Kindesalter an musste sie Demütigungen und zum Teil auch Schläge über sich ergehen lassen. Bis zu ihrer Zwangsheirat war sie jedoch wenigstens dann glücklich, wenn sie mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern allein war oder wenn sie mit ihren Freundinnen gespielt hat. Nach der Heirat gleicht ein Tag dem anderen und Naziran wird immer unglücklicher. Mir als Leser bleibt es bis heute absolut schleierhaft, wie sie es geschafft hat den Mut und den Willen zu Leben nicht zu verlieren.

Die Handlung wird aus der Sicht von Naziran geschildert, sodass man beim Lesen jedes noch so kleine Detail erfährt. Durch den exklusiven Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelt, wirkt das ganze Geschehen viel realer. Diese Handlung kann nicht einfach als eine erfundene Geschichte abgestempelt werden. Erzählt wird ein Tatsachenbericht. Auch die Naivität, welche Naziran oft an den Tag legt ist erschreckend. Bis zu Letzt konnte sie sich nie ganz von ihr befreien. Trotz allem ist das Buch sehr flüssig zu lesen. Kleine Verwirrungen können jedoch hin und wieder entstehen, wenn wieder und wieder eine neue Person in die Handlung aufgenommen wird. Die für uns ungewohnten Namen hören sich zum Teil alle gleich an und pakistanische Familien sind sehr groß.

Die Dringlichkeit mit welcher die Geschichte erzählt wird zeigt, wie wichtig es ist die Wahrheit ans Licht zu bringen. Trotz allem schaffen es Naziran und Célia Mercier dieses sehr sensible Thema mit dem nötigen Feingefühl anzugehen und den Leser nicht zu verschrecken.

Wen der Anfang des Buches bereits schockiert, wird das Ende als absolut verstörend empfinden. Das Säureattentat wird von Naziran so detailliert wie möglich beschrieben. Was danach geschieht empfand ich stellenweise als widerlich.

Ein Buch welches schockiert und aufdeckt! Ein wichtiges Thema, über welches heutzutage kaum etwas bekannt ist. Man kann Naziran für Ihr weiteres Leben nur alles Gute wünschen!



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