[Rezension] Ich. darf. nicht. schlafen. von S. J. Watson


Informationen zum Buch (Taschenbuch)
Erscheinungsdatum: 20.09.2012
Verlag: Fischer
ISBN:  978-3-651-00008-7
Preis: 9,99€ 
Seiten: 397
Originaltitel: Before I Go to Sleep

Erster Satz:  
Das Schlafzimmer ist seltsam. 

Inhalt:
Stell dir vor, du wachst am Morgen in einem fremden Bett, in einem fremden Zimmer, neben einem fremden Mann auf, der wesentlich älter ist als du selbst. Dann gehst du ins Bad und stellst fest, dass du im gleichen Alter bist wie der Mann im Bett und somit also auch wesentlich älter bist, als du es angenommen hast. Und deine Erinnerungen an dein bisheriges Leben? Alle weg...
Genau so geht es Christine und das jeden Morgen aufs neue. Sie wacht auf, denkt sie wäre 20 Jahre alt und fragt sich wer der Mann neben ihr ist. Wenn sie dann in den Spiegel schaut, erkennt sie, dass sie über 40 Jahre alt ist. Der fremde Mann ist Ben, ihr Ehemann, der ihr jeden Morgen aufs neue erklärt, dass sie seit einem Unfall vor vielen Jahren an Amnesie leidet. Jede Nacht aufs neue vergiss sie beinahe ihr ganzes Leben. Ben ist der einzige, auf den sie sich verlassen kann, doch woher soll sie wissen, dass er wirklich die Wahrheit sagt?


Meine Meinung:
Was für eine schreckliche Vorstellung, jeden Tag alles zu vergessen, was man in seinem Leben gemacht hat. Allein die Vorstellung lässt mich gruseln. Und dass die hier beschriebene Amnesie psychologisch plausibel ist, macht das Ganze noch viel schlimmer.

Das Buch liest sich für mich nicht wie ein typischer Thriller. Zu Beginn stand ich während des Lesens immer unter Strom. Ich rechnete jeder Zeit mit dem Schlimmsten. Dann hat die Spannung, etwa in der Mitte des Buches, nachgelassen. Ich wusste, dass einfach nichts passieren wird. Als dann die Spannung wieder angestiegen ist, kam der wirkliche Thriller zum Vorschein. 

"Nur meine Trauer ist frisch, jeden Tag" (Christine, S. 136)

Das Buch lebt von der Realitätsnähe, die es aufweist und von dem Grauen, welches einen genau deswegen beim Lesen erfasst. Was hervorgehoben werden sollte ist das Schreibvermögen von S. J. Watson. Ich kann euch nicht sagen wie er es gemacht hat, aber die Gefühle und Gedanken flogen förmlich aus dem Buch in ich hinein. Immer wenn ich aufgehört habe zu lesen, fühlte ich mich betroffen, so als sei ich Christine. Das musste ich immer erst mal von mir abschütteln. Eine ganze Weile konnte ich meine Gedanken nicht zum Stillstand bringen.

Christine ist sehr schwer zu beschreiben. Ich mochte sie eigentlich sehr und finde es unfassbar, wie sie mit der Situation umgeht. An manchen Tagen benahm sie sich aber ein wenig anders als sonst, was ich schwierig fand. 

"Der Typ ist also nicht nur alt und grau, denke ich, sondern auch noch verheiratet. Ich habe nicht nur mit einem verheirateten Mann gevögelt, sondern vermutlich dazu bei ihm zu Hause, in dem Bett, dass er normalerweise mit seiner Frau teilt." (Christine, S. 11).

Ben konnte ich nie richtig einschätzen. Mal mochte ich ihn und mal war er mir sehr suspekt. Trotz allem fand ich es am Anfang unglaublich, wie sein Leben abläuft und wie er mit der Situation umgeht. 

Das Tagebuch von Christine spielt eine sehr große Rolle in dem Buch. Die Idee ist wirklich gut, doch die Umsetzung hat mich etwas gestört. Das Tagebuch ist geschrieben, wie die Dialoge im restlichen Buch auch. Ich glaube nicht, dass jemand so Tagebuch führt und sich auch nach Stunden noch an den exakten Wortlaut einer Unterhaltung erinnert. 

Die Lösung des Buches liegt eigentlich die ganze Zeit beim Lesen auf der Hand, aber ich konnte oder vielleicht wollte ich sie auch nicht greifen. Es hat der ganzen Geschichte noch einmal die Krone aufgesetzt. Das Ende wurde dann ganz offen gestaltet, was mir überraschend gut gefallen hat. Das Ende habe ich dann nach dem Lesen in meinem Kopf fertig geschrieben. 

Ein erschreckend realistischer Thriller, der zum Ende hin noch viel erschütternder wird!




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