[Rezension] Am Abgrund von Wolfgang Hohlbein


Informationen zum Buch (Taschenbuch)
Erscheinungsdatum: 2009 (10. Auflage)
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3-548-25165-3
Preis: 9,99€ 
Seiten: 359

Erster Satz: 
Ein dünner Ast peitschte in sein Gesicht und hinterließ einen blutigen Kratzer auf seiner Wange. 

Inhalt:
Transsilvanien im 15. Jahrhundert.
Vor vielen Jahren wurde Andrej Delãny mit seiner Familie aus deren Heimatort Borsã vertrieben. Seit dieser Zeit leben sie abgeschieden in den Bergen. Andrejs Stiefvater, einer der besten Schwertkämpfer des Landes, lehrte ihm das Kämpfen. Doch nun ist beinahe seine ganze Familie tot und Andrej ist nichts mehr geblieben, was das Leben lohnenswert machen würde. So reitet er ziellos durch die Gegend, bis er sich vor den Toren seiner alten Heimat wiederfindet. Dort lebt sein Sohn Marius, den er kurz nach der Geburt nach Borsã gebracht hat, um ihm ein besseres Leben zu ermöglichen. Nun glaubt er an ein Zeichen und begibt sich in die Stadt, um Marius zu suchen. Was er jedoch findet, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren. Ganz Borsã ist verlassen. Was ist vorgefallen? Andrej macht sich auf die Suche und auf seinem Weg wird er mehr Trauer und Leid finden, als er es sich hatte vorstellen können. Am Ende erfährt er ein Geheimnis, welches sein gesamtes Leben noch einmal auf den Kopf stellen wird. 


Meine Meinung:
"Die Chronik der Unsterblichen" reizt mich seit der Buchmesse in Leipzig in diesem Jahr. Dort hat Wolfgang Hohlbein einen kurzen Abschnitt des 14. Bandes vorgelesen. Weiterhin hat er viele Infos über die Idee und die Entstehung dieser Bücher gegeben. Nun habe ich den ersten Band "Am Abgrund" gelesen und freue mich jetzt schon auf den zweiten Band, welcher bereits in meinem Regal steht. 

Das Buch spielt im 15. Jahrhundert in Transsilvanien und genau das fühlt man während des Lesens. Über dem Buch hängt eine düstere Stimmung, die nur selten durchbrochen wird. Ich finde, dass es Wolfgang Hohlbein unglaublich gut gelungen ist, dieses 15. Jahrhundert in meinem Kopf zu verankern.

Das Buch beginnt ziemlich brutal, was ein guter Vorbote für den Rest des Buches ist. Trotzdem toppt der Beginn des Buches den Rest, was Brutalität angeht.
Andrej Delãny ist die Hauptperson des Buches, die zu Beginn noch gar nicht weiß, welcher Art er angehört. Das erste Buch ist ein Findungsprozess und erst ganz am Ende wird deutlich was und wer er wirklich ist. Die ganze Zeit ist Andrej von Trauer und Hass zerfressen, wodurch das Buch unglaublich melancholisch ist. Er beginnt aber sich zu öffnen und ich bin gespannt, wie er sich noch verändern wird im Laufe der Reihe.

"Er hatte keine Angst vor dem Tod. Ganz im Gegenteil; der Tod erschien ihm wie ein sanfter alter Freund, der alle Sorgen und alle Trauer von ihm nehmen würde." (Andrej, S. 10)

Frederic ist der zweite wichtige Charakter im Buch. Er ist noch sehr jung und musste viele schlimme Dinge mit ansehen, wodurch auch er verbittert, trotzig und hasserfüllt geworden ist. Ich kann ihn auf der einen Seite schon verstehen, aber manchmal ist er sehr anstrengend und nervig. In solchen Szenen kann ich Andrejs Wut auf Frederic verstehen.

Die Art und Weise in der Wolfgang Hohlbein das Buch geschrieben hat gefällt mir sehr gut. Es ist ein typisches Hohlbein Buch, mit unglaublich detaillierten Beschreibungen von Szenen, Geschehnissen und Personen. Viele Szenen, die zu schnell ablaufen, beschreibt Hohlbein in einer Art Zeitlupe, wodurch der Leser jede Einzelheit mitbekommt. Es wird nichts ausgelassen, egal wie grausig die Details sind.

Eine Kritik habe ich dann aber doch noch. Zu Beginn war ich verwirrt, da Andrej Delãny mal als "Andrej" und mal als "Delãny" bezeichnet wurde. Das war sehr verwirrend und so kommen dann auch Sätze zustande wie:
 ">>Und wie heißt Ihr?<< fragte sie an Delãny gewandt. >>Andrej<<, antwortete Delãny." (Maria & Andrej, S. 15).

Besonders gut gelungen finde ich den Schluss des Buches, als Andrej von seiner wahren Natur erfährt. Hohlbein nennt die Dinge dabei nicht beim Namen und trotzdem ist klar, was er meint. 

Ein sehr interessantes Buch, das mich in gewisser Weise überzeugt hat. Es hat mich nicht in dem Maße gefesselt, wie es andere Bücher können, aber trotzdem fand ich es sehr gelungen und freue mich auf den zweiten Band. 



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