[Rezension] Hier könnte ich zur Welt kommen von Marjorie Celona


Informationen zum Buch (Hardcover)
Erscheinungsdatum: 11.03.2013
Verlag: Insel Verlag
ISBN: 978-3-458-17562-9
Preis: 19,95 
Seiten: 347
Reihe: 1/1
Originaltitel: Y

Inhalt:
Shannon hatte einen wirklich schweren Start ins Leben. Sie war eine Frühgeburt und wurde nur wenige Stunden danach von ihrer Mutter vor einem Krankenhaus ausgesetzt. In den ersten drei Jahren ihres Lebens, kommt sie in zwei vollkommen verschiedenen Familien, bevor sie in ein vollkommen überfülltes Kinderheim kommt. So wie ihre Familien wechselt sie auch ihre Namen. Von Lily zu Shandi über Shannon zu Samantha und zurück zu Shannon. Mit fünf Jahren wird sie von Miranda adoptiert, welche bereits eine fünfjährige Tochter hat. Miranda gibt sich sehr viel Mühe, doch Shannon wird sich nie richtig zu Hause fühlen. Auch wenn sie Miranda sehr gern hat und ihr unendlich dankbar ist, beginnt Shannon sie zu beklauen, schwänzt die Schule und reist von zu Hause aus. Dies Alles tut sie, weil sie nicht weiß wer sie ist und wo sie her kommt. Sie findet sich im Leben nicht zurecht, fühlt sich fremd und zweifelt an sich selbst. Das Vertrauen, welches Miranda zu Shannon verloren hat, lässt sich nur schwer wieder aufbauen und so beginnt für Shannon ein Kampf um ihre Familie und auch um ihr wahres Ich! 
 

Meine Meinung: 
Marjorie Celonas Debüt "Hier könnte ich zur Welt kommen" ist ein sehr realitätsnaher Roman, der an Traurigkeit nur schwer zu überbieten ist. Shannon fühlt sich Nirgends wirklich zu Hause, schwebt eher durch die Welt, immer auf der Suche nach ihren Wurzeln. Im Buch werden zwei verschiedene Handlungsstränge durchlaufen. Zum einen erfährt der Leser, was Shannon alles seit ihrer Geburt erlebt hat und zum anderen wird die Zeit vor Shannons Geburt erläutert, wodurch der Leser die Beweggründe erfährt, die dazu geführt haben, dass Shannon ausgesetzt wurde.

Sehr ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig ist die Erzählperspektive des Buches. Shannon erzählt im Buch in der Ich-Perspektive von ihrem Leben. Auch Zeiten, an die sich Menschen nicht erinnern können werden uns von Shannon erzählt. Ich fand es anfangs sehr verwirrend, dass sie uns von ihrem Leben als Säugling selbst berichtet. Auch als sie das erste Mal von der Zeit vor ihrer Geburt erzählt war ich verwirrt, weil ich anfangs nicht wusste, um wen es in diesem zweiten Handlungsstrang geht.

Die Charaktere werden von Marjorie Celona sehr eindeutig beschrieben und man kann sich diese sehr gut als in Wirklichkeit existierende Charaktere vorstellen. Miranda, welche sich nichts mehr gewünscht hat, als ein Kind zu adoptieren und groß zu ziehen, gibt ihr bestes um Shannon zu integrieren. Aber auch ihre Geduld ist irgendwann vorbei und sie stößt an ihre Grenzen, welche ganz natürlich sind. Shannon, die sich anfangs fremd in der Welt fühlt und erst lernen muss sich mit ihrem Leben zu arrangieren, wirkt schon in einem noch sehr jungen Alter sehr erwachsen in ihrem Denken. Nicht jedoch im Handeln und so rutsch sie auch zeitweise in eine dubiose Gesellschaftsschicht ab, aus welcher sie jedoch relativ schnell wieder heraus findet.

Die Handlung baut sich schrittweise auf und Shannon wird immer älter. Die Geschichte schreitet eher leise voran. Den eventuell erwarteten Knall gibt es nicht und so begleitet der Leser Shannon bis hin zu ihrem siebzehnten Geburtstag. Die eingebauten Zeitsprünge sind sehr gut gewählt und dadurch fallen eventuell ausgelassene Lebensjahre nicht auf. Die Handlung läuft flüssig weiter und ich fühlte mich auch nicht durch die sich abwechselnden Handlungsstränge gestört. 

Nach dem Lesen der Leseprobe habe ich auf das oft so typische Happy End gewartet. Diese Erwartungshaltung habe ich aber sehr schnell wieder fallen lassen, weil ich mir selbst nicht sicher war, was ich mir für Shannon wünschen sollte. Rückblickend habe ich immer gehofft, dass sie beginnt sich so zu akzeptieren wie sie ist, damit sie ein Weg findet mit ihrem Leben umzugehen.

"Hier könnte ich zur Welt kommen" ist kein Buch über die Suche nach dem Glück. Es ist eher ein Buch über die Suche nach den Wurzeln, um zu verstehen und zu verzeihen. Die sehr wertfreie Erzählung macht das Buch zum Ende hin zu etwas ganz Besonderem.


Lieblingszitat:
"Irgendjemand da draußen braucht immer ein Zuhause." (Seite 60)





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen