[Rezension] Die eiskalte Jahreszeit der Liebe von A.D. Miller


Informationen zum Buch (Hardcover)
Erscheinungsdatum: 17. August 2012
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-10-049019-3
Preis: 18,99€ 
Seiten: 288
Reihe: 1/1
Originaltitel: Snowdrops

Erster Satz:  
Ich roch sie, ehe ich sie sah.

Inhalt:
Nick ist Anwalt und kommt ursprünglich aus London. Eines Tages zog er jedoch nach Moskau, einer vollkommen anderen Stadt, in welcher er nun bereits seit vier Jahren lebt. Das Leben in Moskau ist gekennzeichnet von Geld, Sex, Verrat, Betrug, Mord, Drogen und dem Geschäft ums Öl. Nick merkt anfangs nicht, dass sich sein gesamtes Wesen ändert und er sein Leben immer zielloser lebt. Bis er eines Tages Mascha trifft, eine junge Russin ohne Geld und ohne Skrupel. Beide verlieben sich ineinander und Nick findet endlich Halt. Warnungen von Freunden schlägt er in den Wind...bis er zu spät bemerkt, das alles nur Täuschung war und er nicht mehr fliehen kann aus dem Gewirr von Betrug, Geld und Mord.


Meine Meinung:
Obwohl ich vorher einige positive Rezensionen dieses Buches gelesen habe, muss ich leider gestehen, dass ich mich mit diesem Buch sehr schwer getan habe. Besonders die erste Hälfte des Buches machte mir das Weiterlesen sehr schwer.
An sich ist der Schreibstil von A.D. Miller sehr angenehm zu lesen, wenn da nicht die Stellen wären, an denen der Hauptprotagonist Nick mit "mir" als Leser redet. Eigentlich redet er nicht direkt mit mir, sondern mit seiner Freundin, für welche das Buch geschrieben ist. Da ich das Buch jedoch lese fühle ich mich angesprochen und das ist etwas, was ich an Bücher wirklich nicht ausstehen kann! Nick schreibt das Buch zu der Zeit, als er Russland wieder verlassen hat, in London Fuß gefasst hat und kurz davor ist eine Frau zu heiraten. Mit dem Buch "Die eiskalte Jahreszeit der Liebe" schreibt er ein Buch für seine Freundin in welchem er alle seine Sünden vergangener Tage schildert. Aus diesem Grund spricht er diese Frau an einigen Stellen direkt an... mitten in die Erzählung rein. 
An genau solchen Stellen erscheint mir Nick als sehr weich. Er bemitleidet sich selbst und fragt sich ständig, ob diese genannte Frau ihn nach seinen Taten überhaupt noch lieben könnte. Diese Charaktereigenschaft steht in einem enormen Gegensatz zu seinem Charakter in der ersten Hälfte des Buches. Auch die detaillierten Schilderungen von Mascha und seiner Liebe zu ihr schrecken mich etwas ab. Ich kann mir kaum vorstellen, dass diese Frau nach solch einer Schilderung ungerührt bleiben wird. 
Das Russland, welches in diesem Buch geschildert wird, lebt nur von den anfangs schon genannten Dingen: Geld, Sex, Verrat, Betrug, Mord, Drogen und dem Geschäft ums Öl. Das Russland der damaligen Zeit scheint jeden zu verschlingen, der dieses Land betritt. Auch Nick verändert dort seinen Charakter, wird gedankenlos, vertrauensvoll, rücksichtslos und blind vor Liebe!
Auch wenn die Handlung in der zweiten Hälfte des Buches interessanter wird, frage ich mich, wie Nick so blind sein konnte. Die Anzeichen des Betrugs und Verrats mehren sich so sehr, dass er scheinbar den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Oder nicht sehen will. Er lässt sich treiben in einer Spirale, aus welcher er nicht mehr entkommen kann und flüchtet sich anschließend in Vorwürfe und Selbstmitleid. 
Was mich weiterhin irritiert hat ist die Tatsache, dass er Russland und vor allem Moskau tief in sein Herz geschlossen hat und diese Stadt dann trotzdem in den dunkelsten Tönen schildert und so unglaublich schlecht dastehen lässt. 
Alles in Allem ist dieses Buch leider nichts für mich. Allein wegen dem etwas interessanteren zweiten Teil und wegen der wirklich lebhaften Schilderung von Russland und Moskau kann ich diesem Buch zwei Sterne geben!   

Lieblingszitat:
"Ich weiß noch, dass aus einem der CD-Kioske Folkmusik dudelte, hingeraspelt von einem dieser betrunkenen russischen Sängern, die sich anhören, als hätten sie bereits im Mutterleib mit dem Rauchen angefangen." (Seite 17)
 
"Von Scheremetjewo, dem Inlandsflughafen mit Schlachthofcharme, flogen wir mit einer Maschine, die allem Anschein nach bloß noch von Tesafilm und Hoffnung zusammengehalten wurde." (Seite 272)




Kommentare:

  1. Es gibt eben auch Bücher, mit denen man nicht warm wird und zu denen das Verhältnis dann eher frostig-unterkühlt ist, um einmal den Titel des Buches anklingen zu lassen. Nichtsdestotrotz eine ausführliche und faire Betrachtung des Ganzen.

    Viele Grüße,
    Kora

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für dein Kommentar :)! Es war wirklich schwer diese Rezension zu schreiben und ich habe es lange hinaus gezögert...
      Liebe Grüße

      Löschen
    2. Stets zu Diensten ... auch auf dem Schlitten komm ich angerutscht.

      Löschen