[Rezension] Torstraße 1 von Sybil Volks


Informationen zum Buch (Hardcover)
Erscheinungsdatum: November 2012
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag 
ISBN: 978-3-423-28004-4
Preis: 19,90€
Seiten: 400
Reihe: 1/1 

Erster Satz: Elsa geht einen Schritt auf das Tor zu, den Eingang zur Torstraße 1.

Inhalt:
Erst Torstraße, dann Wilhelm-Pieck-Straße. Erst Kaufhaus Jonass, dann Zentrale der Hitlerjugend, gefolgt vom Institut für Marxismus-Leninismus und jetzt Soho Haus. Dies ist die Geschichte eines Hauses, welche 1929 begann und bis heute andauert. Genau dieser Geschichte widmet sich Sybil Volks in ihrem Buch "Torstraße 1". Umrandet wird die Geschichte vor allem von Elsa und Bernhard. Beide werden am gleichen Tag, zur gleichen Stunde geboren, Bernhard zu Hause und Elsa in der Poststelle des Kaufhaus Jonass. Seit diesem Tag verbindet die beiden etwas ganz Besonderes: das Kaufhaus. Elsa wurde dort geboren und Bernhards Vater hat es mit erbaut. In ihrer Kindheit verbringen sie dort viel Zeit, feiern Geburtstage zusammen. 
Als das Haus in die Zentrale der Hitlerjugend umgewandelt wird, verlieren sich die beiden das erste Mal aus den Augen. Kurz nachdem sie sich wiedergefunden haben, wird die Mauer gebaut. Eine erneute Grenze die anfangs nicht überwunden werden kann. Und nicht nur die Mauer steht zwischen ihnen. Auch die politische Einstellung macht den Kontakt schwierig. Sie schaffen es jedoch weiterhin, mit Hilfe von Briefen, in Kontakt zu bleiben. Besonders die Verbundenheit mit dem ehemaligen Kaufhaus Jonass hilft ihnen, da Bernhard immer wieder neue Bilder und Beschreibungen über die Grenze schmuggeln lässt. 
Trotz allem leben beide ihr eigenes Leben, haben nur wenig Kontakt zueinander. Zu ihrem achtzigsten Geburtstag eröffnet in der Torstraße 1 der neue Soho Club. Elsa möchte dort ihren Geburtstag feiern und hofft auch Bernhard dort wieder zu sehen. 


Meine Meinung:
Dieses Buch macht es mir schwer eine Einschätzung zu treffen. Die Idee zur Geschichte des Buches gefällt mir wirklich sehr gut. Ein Haus, welches über so einen langen Zeitraum Bestand hat, den Krieg übersteht und so viele unterschiedliche Funktionen inne hatte. Trotz allem fiel es mir schwer dem Buch treu zu bleiben. 
Die Geschichte beginnt im Jahr 2010 mit Elsa, welche versucht in das neu eröffnete Soho Haus zu kommen. Im nächsten Kapitel wird das Jahr 1929 geschrieben, die Eröffnung des Kaufhaus Jonass. Nun schlängelt sich die Geschichte durch die unterschiedlichen zeitlichen Abschnitte, bis die Geschichte wieder im Jahr 2010 ihr Ende findet. Zwischen den einzelnen Kapiteln kommt es teilweise zu großen Zeitsprüngen, welche anfangs verwirrend waren. Ich konnte mich jedoch schnell daran gewöhnen, da die Handlung mit vielen Hinweisen zur zeitlichen Einordnung gespickt war. Innerhalb der Kapitel kommt es zu Sprüngen, zwischen den verschiedenen Charakteren, besonders zwischen Elsa und Bernhard sowie zwischen Elsas Mutter und Bernhards Vater. Diese Zeitsprünge sind auch notwendig, um die Geschichte aus allen Blickwinkeln betrachten zu können.
Sybil Volks schaffte es wirklich hervorragend die Merkmale der sich ständig wechselnden Zeit aufzuzeigen. Auch für Zeit von 1961 bis 1989 gelingt es ihr die Unterschiede zwischen Ost und West zu benennen. Der 09. November 1989 wird aus den unterschiedlichsten Perspektiven dargestellt, was zeigt, dass an diesem Tag nicht nur Freude über den Fall der Mauer herrschte.
An einigen Stellen des Buches konnte ich wirklich nicht aufhören zu lesen. An anderen Stellen wiederrum, fiel es mir schwer mich zum Weiterlesen zu animieren. Der historische Kontext hinter dem Buch gefällt mir wirklich gut und auch die Geschichte des Hause finde ich sehr interessant. Dass die Geschichte durch das Leben von Elsa und Bernhard ausgeschmückt wird, macht dieses Buch auf jeden Fall lesenswert. Im Nachhinein habe ich das Gefühl, dass es in diesem Buch sehr viele traurige Stellen gibt, wodurch die Grundstimmung zu dieser Zeit festgelegt wird. 
Das Gefühl, dass man während des Lesens eigentlich ein Fotoalbum durchblättert und in einige Fotos kurzzeitig hineingesogen wird, macht es schwer sich vollkommen mit der Geschichte zu identifizieren und sich einzufühlen. Für historisch Interessierte birgt dieses Buch eine wirklich interessante Geschichte. Einige Vorkenntnisse über diese Zeit dürften dem Leser bei der zeitlichen Einordnung der einzelnen Teile nicht schaden. 
 



Kommentare:

  1. Für historisch interessierte Leser hält dieses Buch bestimmt auch einiges bereit. Ich mag übrigens deinen Vergleich mit dem Fotoalbum, schön bildlich gesprochen.

    Liebe Stöbergrüße,
    Kora

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    1. Ich denke auch, dass es lesenswert ist, wenn man historisch interessiert ist. Und danke :)

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